Die Geschichte Dänemarks
Die dänische Geschichte
In Dänemark finden Sie eine Vielzahl jahrhundertealter historischer Orte. Von Burgen und Festungen bis hin zu königlichen Denkmälern und Kronjuwelen. Als eine der ältesten Monarchien der Welt kann der derzeitige König Frederik X. seine Abstammung bis zu den Wikingerkönigen Gorm dem Alten und Harald Blauzahn zurückverfolgen. Was für ein beeindruckender Stammbaum! Machen Sie sich bereit für eine Reise durch die Zeit.
Von der Vorgeschichte bis zum 20. Jahrhundert
Am Ende der letzten Eiszeit um 10.000 v. Chr. kamen Jäger und Fischer aus Süd- und Osteuropa in das Land. Um 3000 v. Chr. entstanden auf den flachen, fruchtbaren Böden Bauernhöfe. Zunächst stellten die Bauern Steinwerkzeuge und Waffen her, später verwendeten sie Bronze und Eisen. In der Eisenzeit knüpften die Dän:innen Handelsbeziehungen zum Römischen Reich und handelten mit Waren wie Pelzen und Bernstein. Die eigentümliche Runenschrift, die man auf Steinen gefunden hat, zeigt, dass sich die dänische Zivilisation schon früh von anderen rauen und ungebildeten Völkern unterschied.

Vom 9. bis zum 11. Jahrhundert war Dänemark eine Großmacht, deren Basis die Inseln Jütland, Seeland und Südschweden bildeten. Der Wikingerkönig Gorm der Alte regierte im 10. Jahrhundert und gilt als erster historischer Herrscher. Seine Herrschaft markiert den Beginn der dänischen Monarchie und des Königshauses. Die Regierung nahm allmählich Gestalt an, während das Christentum noch keine tiefen Wurzeln im Land schlagen konnte. Unter der Herrschaft seines Sohnes Harald Blauzahn vereinigte sich das Land offiziell, wovon die Geschichte auf dem Jelling-Runenstein festgehalten ist. Er ließ die Dän:innen zum Christentum bekehren, obwohl viele noch an einigen heidnischen Traditionen und Bräuchen festhielten.
Im Jahr 1397 wurden mit der Kalmarer Union Dänemark (einschließlich Grönland und Island), Norwegen und Schweden zu einer einzigen Monarchie unter der Herrschaft von Königin Margrethe I. zusammengeschlossen. Die Kalmarer Union bestand bis zum Zerfall Schwedens im Jahr 1523, dem Beginn einer langen Rivalität zwischen Dänemark und Schweden um die Vorherrschaft in der Region. Aufgrund seiner geografischen Lage zwischen Nord- und Ostsee befand sich Dänemark im Zentrum eines gegenseitigen Kampfes um die Kontrolle über die Ostsee. Strategisch und wirtschaftlich erwies sich dies als wichtiger Ort zwischen Schweden und Deutschland. Daher befand sich Dänemark lange Zeit im Konflikt mit Schweden um die Kontrolle über Skåneland und mit Deutschland um die Kontrolle über Schleswig und Holstein.
Letztendlich verlor Dänemark diese Konflikte und gab zunächst Skåneland an Schweden und später Schleswig-Holstein an das Deutsche Reich ab. Norwegen wurde im 19. Jahrhundert unabhängig und Island im Laufe des 20. Jahrhunderts. Dies führte dazu, dass nur noch ein kleines Kerngebiet übrig blieb – das Dänemark, wie wir es heute kennen.
Grönland und die Färöer-Inseln wurden integraler Bestandteil des Königreichs Dänemark. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das neutrale Dänemark von Nazi-Deutschland besetzt. König Christian X. ritt während der fünfjährigen deutschen Besatzung jeden Tag auf seinem weißen Pferd durch die Straßen von Kopenhagen, begleitet von nur einem einzigen Wachmann. Die Dän:innen sahen darin ein Symbol des Widerstands und ein Licht in der Dunkelheit. Schließlich befreiten britische Streitkräfte der Alliierten und der dänische Widerstand 1945 das Land.
Die dänische Wirtschaft wurde nach dem Krieg zunehmend internationaler, was zu einem Anstieg der Exporte führte und zum Wohlstand beitrug. Dänische Designartikel und Möbel wurden weltweit beliebt, ebenso wie dänischer Speck, Butter und andere landwirtschaftliche Produkte.
Dänemark war eines der Gründungsmitglieder der Vereinten Nationen und ist nach wie vor Mitglied des Militärbündnisses der Nordatlantikvertrags-Organisation (NATO). Schließlich trat Dänemark 1973 der Europäischen Union bei.
Ein Treffen mit der königlichen Familie
Die Zukunft der dänischen Monarchie ist bereits gesichert: König Frederik X. und Königin Mary haben vier Kinder, von denen der älteste, Prinz Christian, nun an erster Stelle der Thronfolge steht. König Frederik ist beim dänischen Volk äußerst beliebt und wurde schon mehrfach zum Dänen des Jahres gewählt. Königin Mary, die ursprünglich aus Australien stammt, hat sich schnell zu einer der bekanntesten und geschätztesten Persönlichkeiten des Landes entwickelt. Viele Däninnen und Dänen sehen Frederik und Mary als Vorbilder einer modernen königlichen Familie, die ein gesundes Gleichgewicht zwischen offiziellen Verpflichtungen und Privatleben pflegt. So hat Frederik bereits einen Ironman in Kopenhagen absolviert und holt seine Kinder oft mit dem Fahrrad von der Schule ab – ganz wie viele andere dänische Eltern auch. Auch international gilt das Königspaar als repräsentatives Beispiel für dänische Werte und Lebensweise.
Die dänische Monarchie erfreut sich aufgrund ihrer Fähigkeit, sich an die moderne Welt anzupassen, weiterhin großer Beliebtheit und widmet sich nicht sonderlich dem Prunk und Pomp. Gemäß der dänischen Verfassung spielt der dänische Monarch nur eine begrenzte Rolle in der Regierung Dänemarks. Die Mitglieder der Königsfamilie spielen jedoch eine wichtige symbolische Rolle und nehmen als wichtige Botschafter:innen des Landes an vielen diplomatischen und karitativen Veranstaltungen teil. Auf internationaler Ebene stehen sie an der Spitze von Delegationen, die für dänische Produkte und Unternehmen werben.

Der Amalienborg-Palast ist die Heimat der dänischen Königsfamilie. Dieser Rokoko-Komplex aus dem 18. Jahrhundert besteht aus einem Platz mit der Statue von König Frederik V. und vier edlen Gebäuden. Dabei handelt es sich um den Palast von Christian VII., in dem Gäste empfangen werden, den Palast von Frederik VIII., in dem der Kronprinz mit seiner Familie wohnt, den Palast von Christian IX., und den Palast von Christian VIII., der teils als Wohnsitz für Prinz Joachim und teils als Museum genutzt wird.
Im Museum erfahren Sie alles über die königliche Vergangenheit bis zu 150 Jahre zurück. Dort werden die privaten Innenräume der letzten Könige und Königinnen präsentiert. Jeder Innenraum spiegelt den modernen Geschmack seiner Zeit und die Persönlichkeit seiner Bewohner:innen wider. Im Gartenzimmer können Sie das königliche Leben und die Monarchie im 21. Jahrhundert mit ihren vielen Aufgaben und Traditionen erkunden und verstehen, was es heute bedeutet, adlig zu sein.
Die Wachablösung am Amalienborg ist eine beliebte Touristenattraktion in Kopenhagen. Jeden Tag um 11.30 Uhr marschieren die königlichen Leibwächter der Königin, die Livgarden, von ihrer nahe gelegenen Kaserne zum Palast, wo sie am Mittag die diensthabenden Wachen ablösen.
Kulturerbe und Schlösser
Wer glaubt, dass Kulturerbe langweilig und verstaubt ist, wird in Dänemark vom Gegenteil überrascht sein. Entdecken Sie Ihren inneren Historiker und begeben Sie sich auf UNESCO-Jagd. Diese fünf faszinierenden und farbenfrohen Stätten stehen bereits auf der berühmten Liste des Weltkulturerbes.
1. Christiansfeld: Diese Stadt wurde 1773 von deutschen Herrnhutern im Auftrag von König Christian VII. gegründet. Sie schufen eine Stadt mit einer einheitlichen Architektur, einer konsistenten Verwendung bestimmter Materialien und Farben sowie einem Sinn für Details, der aus ihrem starken christlichen Glauben herrührt. Es ist eines der am besten erhaltenen Beispiele für die handwerkliche Tradition und die Prinzipien der Stadtplanung und Architektur der Herrnhuter in Europa.
2. Parforcejagdlandschaften: Nördlich von Kopenhagen befinden sich die ehemaligen Jagdgebiete, in denen König Christian V. und sein Hofstaat im späten 17. Jahrhundert ihrem Lieblingssport nachgingen. Die UNESCO stellt fest, dass die Waldgebiete von Store Dyrehave, Gribskov und Jægersborg ein einzigartiges Beispiel für eine gestaltete Jagdlandschaft sind, einschließlich gut erhaltener Jagdwege, die in einem Raster angelegt sind, sowie nummerierter Steinpfähle und Jagdhäuser wie die Hermitage.
3. Jelling-Runensteine: Im malerischen Jelling können Sie Europas schönste Fundstücke aus der Wikingerzeit bewundern. Zwei mächtige Grabhügel und zwei Runensteine erzählen von der Christianisierung unter der Herrschaft von Gorm dem Alten und seinem Sohn Harald Blauzahn in den Jahren um 900. Einer der Runensteine gilt als Taufurkunde Dänemarks, da die Inschrift Dänemark als Nation und die Dän:innen als Volk erwähnt.
4. Roskilde-Kathedrale: Diese mittelalterliche Kathedrale ist die letzte Ruhestätte von fast 40 Mitgliedern der dänischen Königsfamilie, wodurch die Kathedrale einen Weltrekord im Bereich der königlichen Kirchenbegräbnisse hält. Mit ihren vielen Kapellen spiegelt die Kathedrale die sich wandelnde europäische Architekturgeschichte von mehr als 800 Jahren wider.
5. Schloss Kronborg: Das berühmteste Schloss Dänemarks aus dem Jahr 1420 ist der Schauplatz, an dem Shakespeare Hamlet spielen lässt, unter dem Namen Schloss Helsingør (die Stadt, in der Kronborg liegt). Versteckt in den dunklen Krypta- und Katakomben unter dem Schloss begegnen Sie Holger dem Dänen (Holger Danske), einer imposanten Steinstatue und einer legendären Figur der dänischen Kultur. Jeden Sommer finden hier Aufführungen von Shakespeares größten Theaterstücken statt.
König(in) für einen Tag
Möchten Sie lieber in die Fußstapfen der echten Royals und ihrer Welt voller Prunk und Pracht treten? Dann listen wir Ihnen gerne einige Sehenswürdigkeiten in Dänemark auf, die Sie nicht verpassen sollten.
1. Frederiksborg: Das Schloss Frederiksborg ist das größte Renaissanceschloss Skandinaviens und eines der bekanntesten dänischen Schlösser. Es liegt malerisch auf drei Inseln, umgeben von einem See und farbenfrohen Gärten. Unter anderem beherbergt es das Nationalmuseum für Geschichte. Im 17. Jahrhundert wurde das Schloss häufig als königliche Residenz genutzt, und noch heute werden die dänischen Könige und Königinnen in der Kapelle gesalbt.
2. Egeskov: Eine der am besten erhaltenen Wasserburgen Europas liegt idyllisch in einem historischen Garten. Obwohl das Schloss noch bewohnt ist, können Sie einige Räume, darunter den Rittersaal, besichtigen. Besuchen Sie Ausstellungen mit Oldtimern, Motorrädern und Flugzeugen und sehen Sie sich das größte und schönste Puppenhaus der Welt aus nächster Nähe an. Ein einzigartiger Traum-Palast mit mehr als 3000 Stücken, geschaffen für Titania, die Königin der Feen, und Prinz Oberon mit ihren sieben Feenkindern.
3. Christiansborg: Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts diente Christiansborg als königlicher Palast. Heute beherbergt das Gebäude das dänische Parlament, wobei die königliche Familie dort noch immer bestimmte Veranstaltungen abhält. Durch die beliebte dänische Fernsehserie Borgen hat der Palast international an Bedeutung gewonnen. Vergessen Sie nicht, die Aussicht von dem Turm aus zu bewundern und die Ruinen unter dem Palast zu entdecken, die aus dem Jahr 1100 stammen.
4. Rosenborg: Im Herzen von Kopenhagen können Sie im Schloss Rosenborg durch 400 Jahre königlicher Geschichte spazieren. Das Schloss wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts unter Christian IV. erbaut. Im Inneren befinden sich die dänischen Kronjuwelen und Königsthrone, und draußen können Sie durch den üppigen Garten spazieren. Auch die Einheimischen suchen sich gerne einen ruhigen Ort, um dem Trubel der Stadt zu entfliehen.
5. Fredensborg: Der Palast ist die am häufigsten genutzte Residenz des regierenden Königs (oder der Königin). Das elegante Barockschloss wird oft als das Versailles Dänemarks bezeichnet. König Frederik IV. gab ihm anlässlich der Gedenkfeier zum Ende des Großen Nordischen Krieges 1722 den Namen Friedenspalast. Heute dient es oft für große offizielle Staatsbesuche und Familienfeiern der Königsfamilie.
6. Nyborg: Das Schloss Nyborg stammt aus der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts und wurde als Teil der Verteidigungsanlagen gegen die Wenden erbaut. Bald darauf übernahm es auch eine politische Rolle und war Schauplatz vieler wichtiger Versammlungen wie dem Danehof. Hier wurde das erste Parlament gebildet und die erste dänische Verfassung unterzeichnet. Im Juli findet jedes Jahr ein großer mittelalterlicher Markt und ein Festival statt.
7. Koldinghus: Im Zentrum von Kolding in Ostjütland steht das königliche Schloss, das 1268 zur Bewachung der Grenze erbaut wurde. Kinder können sich in Renaissancekleidung verkleiden, auf Schatzsuche gehen und eine Ausbildung am königlichen Hof absolvieren.
Wall of Danish Fame
- Hans Christian Andersen (1805–1875): Der berühmteste dänische Autor schrieb Theaterstücke, Romane, Gedichte, Reisebücher und Autobiografien, aber es waren seine Märchen, die ihn weltberühmt machten. Andersens Geschichten sind bei Jung und Alt auf der ganzen Welt beliebt. Seine Werke wurden daher in 160 Sprachen übersetzt. Zu seinen bekanntesten Werken gehören „Das hässliche Entlein“, „Die kleine Meerjungfrau“ und „Däumelinchen“.
- Søren Kierkegaard (1813–1855): Kierkegaard gilt als einer der größten Philosophen seines Jahrhunderts und als einflussreicher Theologe. Zu seinen Meisterwerken zählen die Bücher „Entweder/Oder“, „Furcht und Zittern“ und „Der Begriff Angst“. Kierkegaard wird aufgrund seiner Überzeugung, dass die höchste Aufgabe des menschlichen Daseins darin bestehe, sich selbst in ethischer und religiöser Hinsicht zu verwirklichen, allgemein als Vater des Existentialismus anerkannt.
- Niels Bohr (1885–1962): Als Physiker und Chemiker veröffentlichte Bohr als Erster eine Theorie, in der er den Aufbau von Atomen beschrieb. Auch dank dieser Atomtheorie gilt er als einer der Begründer der Atomphysik. 1922 erhielt er den Nobelpreis für Physik.
- Karen Blixen (1885-1962): Blixen ist vielleicht die größte dänische Schriftstellerin des 20. Jahrhunderts. Ihre Memoiren über ihr Leben und ihre Vorliebe für Afrika wurden in „Out of Africa“ zusammengefasst. Die Verfilmung des Buches wurde mit mehreren Oscars ausgezeichnet. In ihrem Heimatland wird sie vor allem für ihr Buch „Die sieben gotischen Geschichten“ geliebt. Sie wurde mehrfach für den Nobelpreis für Literatur nominiert.
- Arne Jacobsen, Jørn Utzon & Bjarke Ingels: Diese Reihe führender kreativer Dänen hat die dänische Architektur und das Design auf ihre eigene Weise geprägt. Arne Jacobsen (1902–1971) wurde als Möbeldesigner für seine Ameisen-, Schwan- und Eierstühle berühmt. Neben ihrem eleganten Design sind sie ergonomisch gestaltet und bequem zu sitzen. Ironischerweise findet man das berühmteste architektonische Juwel Dänemarks nicht in Dänemark, sondern in Australien. Jørn Utzon (1918–2008) entwarf ein bahnbrechendes Bauwerk: das Opernhaus von Sydney. Utzon konnte das Gebäude 2005 noch auf der UNESCO-Welterbeliste sehen, eine seltene Ehre. Dänische Architektur wurde im 21. Jahrhundert unter der Leitung von Bjarke Ingels (1974-…) von BIG weltweit populär. Durch seinen ganzheitlichen Ansatz und seine unkonventionelle Bauweise schafft er großartige Orte und Gebäude, die auf nachhaltige Energie angewiesen sind. Er hat bereits mehrere Preise gewonnen und 2016 wurde Bjarke Ingels vom Time Magazine zu einem der 100 einflussreichsten Menschen der Welt gekürt.






